25.09.2023

Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.

Die Themen dieser Woche:



  • Zugang zu kompetitiven US-Hochschulen
  • U.S. News Rankings: Neue Bewertungsformeln, alte Widerstände
  • Bildungsausschuss im Repräsentantenhaus sorgt sich um Meinungsfreiheit an Hochschulen
  • Kurznachrichten

Liebe Leserinnen und Leser,

 

wir befassen uns dieser Ausgabe mit dem Zugang zu den kompetitivsten Hochschulen in den USA und mit der jüngsten Ausgabe des Hochschulrankings von U.S. News & World Report. Wir werfen zudem einen Blick auf eine Initiative des derzeit von Republikanern beherrschten Bildungsausschuss im US-amerikanischen Repräsentantenhaus, mit dem Ziel, das vermeintlich an Hochschulen bedrohte Recht auf freie Meinungsäußerung zu schützen, und – wie immer – auf verschiedene Kurznachrichten, in dieser Woche unter besonderer Berücksichtigung der zuletzt deutlich, aber hoffentlich nur vorrübergehend schlechter gewordenen Beziehungen zwischen Kanada und Indien.

 

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.

 

Herzliche Grüße,

 

Stefan Altevogt

Zugang zu kompetitiven US-Hochschulen

An vielen hochselektiven Hochschulen in den USA, so ein Beitrag auf den „TheUpshot“ genannten und Daten analysierenden Seiten der New York Times, sei Reichtum der Eltern ein beliebter Seiteneingang, so beliebt, dass Bewerberinnen und Bewerber aus Aushalten mit Einkommen in den obersten 1% der Einkommensverteilung „at much higher rates“ zum Studium zugelassen würden als gleichermaßen akademisch qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber aus weniger betuchten Familien. Was im Einzelfall dann genau unter „much higher rates“ zu verstehen sei, kann einer interaktiven Tabelle des Beitrags für 139 Hochschulen entnommen werden. Sie weist zum Beispiel für das zur Ivy-League zählenden Dartmouth College einen Faktor von 12,4 für Bewerberinnen und Bewerber aus Familien der obersten 1% der Einkommensverteilung aus (gemessen an einem mit 1 bezifferten Niveau), vergleicht aber in dieser Ansicht (Ansicht 1) alle Bewerberinnen und Bewerber miteinander. In der anderen Ansicht (Ansicht 2), nämlich dem Vergleich akademisch gleichermaßen qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber, bleibe vom Vorteil sehr reicher Elternhäuser immerhin noch ein Faktor von 2,6 übrig, während Kinder aus Elternhäuser am unteren Ende der Einkommensverteilung mit 0,7 gegenüber dem Durchschnitt einen deutlich steileren Berg zu einer Zulassung erklimmen müssten.

Die Bemühungen der Harvard University um sozial repräsentativere Studierendenkohorten zeigten sich vor allem im Vergleich der beiden Ansichten, denn die generelle Ansicht 1 zeige einen Vorteil von Faktor 7,9 für die Reichsten und einen Nachteil von 0,4 für die Ärmsten, während sich in der Ansicht 2 (Vergleich akademisch gleichwertiger Bewerberinnen und Bewerber) das Bild fast schon umkehrt und Faktor 1,8 für Bewerberinnen und Bewerber aus den untersten 20% der Einkommensverteilung aufweise gegenüber nur 1,5 für Bewerberinnen und Bewerber aus den obersten 1%.

Die Rolle hochselektiver Hochschulen aus dem öffentlich finanzierten Sektor für die soziale Mobilität sei ebenfalls deutlich an den Zulassungszahlen in Abhängigkeit von elterlichem Einkommen erkennbar. So wiese die University of California, Berkeley in der Ansicht 2 mit Faktor 1.2 für Bewerberinnen und Bewerber aus den untersten 20% der Einkommensverteilung bessere Zulassungschancen auf als für Bewerberinnen und Bewerber aus den obersten 1% (Faktor 0,7). Es heißt: „Even though college attendance rises with parental income, when it comes to educating the majority of America’s four-year college students, public universities play a vital role – regardless of how much their parents make.”

 

Sie finden den Beitrag hier.

 

Ein Beitrag befasst sich im Chronicle of Higher Education mit dem Verfahren der „Early Decision“ als einem neben „Affirmative Action“ und „Legacy Admission“ weiteren Zugang zu hochselektiven Colleges und schreibt: „Now colleges and critics are turning their attention to early decision, which has also been maligned for favoring affluent, well-connected students.”

In diesem Verfahren beantragten Bewerberinnen und Bewerber noch im Herbst ihres Abschlussjahres an der Oberschule eine frühzeitige Entscheidung der Hochschule und erklärten sich bereit, die Einreichung anderer Bewerbungen bis zu dieser, in der Regel vor Weihnachten fallenden Entscheidung aufzuschieben. Weil diese Form der Bewerbung ohne vorheriges Wissen über mögliche Studienbeihilfen seitens der Hochschulen erfolge, seien hier Kinder aus einkommensstärkeren Haushalten bevorzugt, denen der Umfang von Studienbeihilfen mehr oder weniger gleichgültig sein könne.

Weil dies zunehmend als sozial ungerecht angesehen werde, wachse der Widerstand gegen „Early Decision“ und entsprechend sei im Bundesstaat New York im Frühjahr 2023 ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der die Anwendung von Early Decision (und Legacy Admission) an öffentlichen und privaten Colleges im Bundesstaat verbieten würde.

An der privaten Wake Forest University in North Carolina gehe man andere Wege und versuche die „Early Decision“ auch für Bewerberinnen und Bewerber aus einkommensschwächeren Haushalten attraktiv zu gestalten, denn für die Hochschulen habe das Verfahren wegen seiner besseren Planbarkeit durchaus Vorteile und mehr als die Hälfte der Studienanfänger des Jahrgangs 2022 seien durch dieses Verfahren frühzeitig zugelassen worden.

An Virginia Tech habe man in der Zwischenzeit dagegen beschlossen, das Verfahren der „Early Decision“ ganz einzustellen, weil es eben für Studierende aus einkommensschwächeren Familien nicht attraktiv genug gemacht werden könne. Der Vice Provost für Enrollment Management und Director of Undergraduate Admissions wird dazu mit den Worten zitiert: „What we heard from students, and especially students from low-income backgrounds, is that early decision was an option that was provided by Virginia Tech but not something that was accessible to them.” An einer Hochschule wie Virginia Tech, wo etwa 40% der Studierenden entweder die ersten Studierenden in ihren unmittelbaren Familien seien, die an einer Universität studierten, oder einer ethnischen Minderheit angehörten, sei die Abneigung gegen das Verfahren „Early Decision“ durchaus nachvollziehbar und ihre Abschaffung würde leichter fallen als an Hochschulen, die eher Vorteile in dem Verfahren sähen. Zu diesen Vorteilen heißt es: „Early decision allows colleges to not only properly gauge class sizes, which can dictate faculty and staff sizes, it also allows colleges to create class schedules and informs college housing plans.”

 

Sie finden diesen Beitrag hier.

U.S. News Rankings: Neue Bewertungsformeln, alte Widerstände

In der jüngsten und vergangenen Montag veröffentlichten Ausgabe des einflussreichen Hochschulrankings vierjähriger Colleges von U.S. News & World Report, so ein Beitrag in der New York Times, habe sich in der Spitzengruppe nur wenig verändert und bekannte Hochschulen dominierten die ersten Plätze: „Princeton remained the nation’s top-ranked university, followed by M.I.T., with Harvard and Stanford tied for third. Williams maintained its stature as the nation’s top liberal arts college, and Spelman College again led among historically Black institutions.”

Bemerkenswert seien allerdings die von einigen öffentlich finanzierten Universitäten und Colleges gemachten und in einigen Fällen mehr als 50 Plätze betragenden Sprünge, die zum Beispiel den Campus der California State University in Fresno vom 185. Platz auf Rang 121 katapultiert und Florida Atlantic University 53 Plätze nach oben auf Rang 209 gebracht habe. Alle drei Standorte der Rutgers University in New Jersey hätten wenigsten 15 Plätze gut gemacht, wobei der Flaggschiff-Campus in New Brunswick unter den „National Universities“, also Universitäten mit nationaler Ausstrahlung, auf Rang 40 gelandet sei.

Die Gewinner des neuen Rankings profitierten von einer Veränderung der Bewertungsgrundlagen, die zwar einige private Hochschulen etwas weiter in den Keller der Rangliste geschickt habe, aber auf Zielen beruhten, die auch von Führungsspitzen dieser Hochschulen immer wieder als erstrebenswert aufgezählt würden, etwa die Rolle von Hochschulen für soziale Mobilität. Das überarbeitete Ranking bewerte Kriterien wie die Abschlussquoten der Studierenden, die Dauer bis zum Abschluss und den Anteil von Studierenden aus einkommensschwachen Familien, der sog. „Pell-Share“ (mehr dazu in der vergangenen Ausgabe). Zudem seien Messgrößen zu Studierenden aus bildungsferneren Schichten eingeführt worden und ob die Absolventen mehr verdienten als diejenigen, die nur die High-School abgeschlossen hätten.

Die deutlichsten Wirkungen der neuen Ranking-Maßstäbe seien vor allem im Mittelfeld der Leistungslisten zu finden und hier würden die Messmethoden, etwa der Ausschluss von Spendenaufkommen unter den Alumni der Hochschulen, vermutlich in den kommenden Jahren zu einer größeren Volatilität führen, zumal sich Colleges und Universitäten sehr rasch an die neuen Kriterien gewöhnen und sie entsprechend zu ihren Gunsten manipulieren würden. Entsprechend vorsichtig ist man auch mit der Prognose, ob die neue Methodik zu einem Abklingen der Kritik am Ranking führen würde. Es heißt: „It was unclear, however, how much the overhaul would reduce criticism of U.S. News. Schools have said that the rankings have an outsize influence on students and parents, who use them as a proxy for prestige.”

 

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Sie finden das Ranking hier.

 

Inside Higher Education, das sich nach eigenen Angaben normalerweise nicht mit Hochschulrankings befasse, macht wegen der neuen Methodik in der jüngsten U.S. News-Liste eine Ausnahme und stellt fest: „Thanks to a beefed-up social mobility metric, a number of public institutions climbed significantly from recent years – and a similar number of private universities dropped, sometimes by double digits.“ Den Bewertungsmaßstab „soziale Mobilität“ gäbe es zwar schon seit 2018, doch sei ihm nun eine deutlich größere Bedeutung beigemessen worden, was von U.S. News als „the most significant methodological change in the rankings’ history” angepriesen werde.

Wo es Gewinner gäbe, da müssten auch Verlierer genannt werden, wie zum Beispiel die 33 Plätze unter dem Vorjahresergebnis gelistete American University oder Pepperdine University und Wake Forest University, die 21 bzw. 18 Ranglistenplätze eingebüßt hätten. Vor allem von dort käme auch die Kritik an den neuen Bewertungsmaßstäben. Es heißt: „A few of this year’s losers have publicly denounced the results as muddled and misleading, in some cases even implying it might be the final straw for their participation in the rankings.”

 

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Bildungsausschuss im Repräsentantenhaus sorgt sich um Meinungsfreiheit an Hochschulen

Inside Higher Education meldet die Veröffentlichung eines mit „Freedom of Speech and its Protection on College Campuses” betitelten Berichts des von der republikanischen Mehrheit im US House of Representatives dominierten Bildungsausschusses der Parlamentskammer und zitiert aus der Einleitung die Worte: „The worst kept secret in American postsecondary education is the long-standing and pervasive degradation of First Amendment [hier ist das Verfassungsrecht auf freie Meinungsäußerung verankert] rights.“

Auf knapp 20 Seiten würde die Praxis von Hochschulen kritisiert, gegen Vorurteile und Bedrängung von Minderheitsmeinungen vorzugehen und bei Ausschreibungen auch Stellungnahmen zu sozialer Vielfalt einzufordern. Zwar habe es seitens zahlreicher Bundesstaaten bereits Gesetzesinitiativen zum Schutz von freier Meinungsäußerung in Hochschulen gegeben, doch nicht alle diese Gesetze verfügten über wirksame Durchsetzungsmechanismen. Der Beitrag zitiert dazu das Paper mit den Worten: „With the degradation of expressive rights on college campuses, it’s obvious the [Higher Education Act of 1965’s] current language may be insufficient to hold schools accountable. More may be required from the federal government to ensure our nation’s colleges and universities are living up to their purpose of promoting a free and open exchange of ideas.”

 

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Kurznachrichten

Die Schuldzuweisung der kanadischen an die indische Bundesregierung im Zusammenhang mit der Ermordung eines in Kanada lebenden Führers einer Autonomie anstrebenden indischen Minderheit hat zu einer deutlichen Abkühlung zwischen beiden Ländern und einer starken Reaktion der indischen Regierung geführt. CBC meldet die Aussetzung von Visa-Verfahren für Kanadier an den indischen Konsulaten des Landes und schreibt: „India’s visa processing centre in Canada suspended services Thursday as a rift widened between the countries after Prime Minister Justin Trudeau said India may have been involved in the killing of a Canadian Sikh leader. ‘Important notice from Indian Mission: Due to operational reasons, with effect from 21 Sept. Indian visa services have been suspended [until] further notice,’ the BLS Indian Visa Application Center in Canada said in a statement.”

 

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Die indische Regierung habe einer Meldung in CBC News zufolge auch eine Reisewarnung für indische Studierenden in Kanada ausgesprochen. Es heiße in der Warnung: „In view of growing anti-India activities and politically-condoned hate crimes and criminal violence in Canada, all Indian nationals there and those contemplating travel are urged to exercise utmost caution.”

 

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Western University in der kanadischen Provinz Ontario meldet die vollständige Integration des Brescia University College zum Mai kommenden Jahres und schreibt: „Founded in 1919 by the Ursuline Sisters, Brescia was built on the idea of bridging gaps for women in higher education. (...) In addition to integrating Brescia’s current students, faculty and staff into the Western community, the agreement will establish broader pathway programs to help more students access and prepare for a university education.”

 

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Inside Higher Education meldet die außergerichtliche Einigung zwischen Yale University und dort beschäftigten Forschenden im Streit um Erträge aus Patenten, die in einem gemeinsam mit dem U.S. Department of Veterans Affairs durchgeführten Forschungsprojekt erzielt worden seien. Yale werde im Gegenzug für die Rücknahme einer Klage $1,5 Mio. an die Forschenden zahlen.

 

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