|
An vielen hochselektiven Hochschulen in den USA, so ein Beitrag auf den „TheUpshot“ genannten und Daten analysierenden Seiten der New York Times, sei Reichtum der Eltern ein beliebter Seiteneingang, so beliebt, dass Bewerberinnen und Bewerber aus Aushalten mit Einkommen in den obersten 1% der Einkommensverteilung „at much higher rates“ zum Studium zugelassen würden als gleichermaßen akademisch qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber aus weniger betuchten Familien. Was im Einzelfall dann genau unter „much higher rates“ zu verstehen sei, kann einer interaktiven Tabelle des Beitrags für 139 Hochschulen entnommen werden. Sie weist zum Beispiel für das zur Ivy-League zählenden Dartmouth College einen Faktor von 12,4 für Bewerberinnen und Bewerber aus Familien der obersten 1% der Einkommensverteilung aus (gemessen an einem mit 1 bezifferten Niveau), vergleicht aber in dieser Ansicht (Ansicht 1) alle Bewerberinnen und Bewerber miteinander. In der anderen Ansicht (Ansicht 2), nämlich dem Vergleich akademisch gleichermaßen qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber, bleibe vom Vorteil sehr reicher Elternhäuser immerhin noch ein Faktor von 2,6 übrig, während Kinder aus Elternhäuser am unteren Ende der Einkommensverteilung mit 0,7 gegenüber dem Durchschnitt einen deutlich steileren Berg zu einer Zulassung erklimmen müssten.
Die Bemühungen der Harvard University um sozial repräsentativere Studierendenkohorten zeigten sich vor allem im Vergleich der beiden Ansichten, denn die generelle Ansicht 1 zeige einen Vorteil von Faktor 7,9 für die Reichsten und einen Nachteil von 0,4 für die Ärmsten, während sich in der Ansicht 2 (Vergleich akademisch gleichwertiger Bewerberinnen und Bewerber) das Bild fast schon umkehrt und Faktor 1,8 für Bewerberinnen und Bewerber aus den untersten 20% der Einkommensverteilung aufweise gegenüber nur 1,5 für Bewerberinnen und Bewerber aus den obersten 1%.
Die Rolle hochselektiver Hochschulen aus dem öffentlich finanzierten Sektor für die soziale Mobilität sei ebenfalls deutlich an den Zulassungszahlen in Abhängigkeit von elterlichem Einkommen erkennbar. So wiese die University of California, Berkeley in der Ansicht 2 mit Faktor 1.2 für Bewerberinnen und Bewerber aus den untersten 20% der Einkommensverteilung bessere Zulassungschancen auf als für Bewerberinnen und Bewerber aus den obersten 1% (Faktor 0,7). Es heißt: „Even though college attendance rises with parental income, when it comes to educating the majority of America’s four-year college students, public universities play a vital role – regardless of how much their parents make.”
Sie finden den Beitrag hier.
Ein Beitrag befasst sich im Chronicle of Higher Education mit dem Verfahren der „Early Decision“ als einem neben „Affirmative Action“ und „Legacy Admission“ weiteren Zugang zu hochselektiven Colleges und schreibt: „Now colleges and critics are turning their attention to early decision, which has also been maligned for favoring affluent, well-connected students.”
In diesem Verfahren beantragten Bewerberinnen und Bewerber noch im Herbst ihres Abschlussjahres an der Oberschule eine frühzeitige Entscheidung der Hochschule und erklärten sich bereit, die Einreichung anderer Bewerbungen bis zu dieser, in der Regel vor Weihnachten fallenden Entscheidung aufzuschieben. Weil diese Form der Bewerbung ohne vorheriges Wissen über mögliche Studienbeihilfen seitens der Hochschulen erfolge, seien hier Kinder aus einkommensstärkeren Haushalten bevorzugt, denen der Umfang von Studienbeihilfen mehr oder weniger gleichgültig sein könne.
Weil dies zunehmend als sozial ungerecht angesehen werde, wachse der Widerstand gegen „Early Decision“ und entsprechend sei im Bundesstaat New York im Frühjahr 2023 ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der die Anwendung von Early Decision (und Legacy Admission) an öffentlichen und privaten Colleges im Bundesstaat verbieten würde.
An der privaten Wake Forest University in North Carolina gehe man andere Wege und versuche die „Early Decision“ auch für Bewerberinnen und Bewerber aus einkommensschwächeren Haushalten attraktiv zu gestalten, denn für die Hochschulen habe das Verfahren wegen seiner besseren Planbarkeit durchaus Vorteile und mehr als die Hälfte der Studienanfänger des Jahrgangs 2022 seien durch dieses Verfahren frühzeitig zugelassen worden.
An Virginia Tech habe man in der Zwischenzeit dagegen beschlossen, das Verfahren der „Early Decision“ ganz einzustellen, weil es eben für Studierende aus einkommensschwächeren Familien nicht attraktiv genug gemacht werden könne. Der Vice Provost für Enrollment Management und Director of Undergraduate Admissions wird dazu mit den Worten zitiert: „What we heard from students, and especially students from low-income backgrounds, is that early decision was an option that was provided by Virginia Tech but not something that was accessible to them.” An einer Hochschule wie Virginia Tech, wo etwa 40% der Studierenden entweder die ersten Studierenden in ihren unmittelbaren Familien seien, die an einer Universität studierten, oder einer ethnischen Minderheit angehörten, sei die Abneigung gegen das Verfahren „Early Decision“ durchaus nachvollziehbar und ihre Abschaffung würde leichter fallen als an Hochschulen, die eher Vorteile in dem Verfahren sähen. Zu diesen Vorteilen heißt es: „Early decision allows colleges to not only properly gauge class sizes, which can dictate faculty and staff sizes, it also allows colleges to create class schedules and informs college housing plans.”
Sie finden diesen Beitrag hier.
|