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Die Hochschullandschaft der USA ist in zahlreichen Aspekten erstaunlich inhomogen und es ist durchaus nützlich, sich gelegentlich in Erinnerung zu rufen, unter welchen jeweiligen Voraussetzungen in den einzelnen Bundesstaaten Bildung und Hochschulbildung stattfinden. Der Chronicle of Higher Education bietet dazu in seiner regelmäßig im Herbst eines jeden Jahres erscheinenden Almanach-Ausgabe Daten der Western Interstate Commission for Higher Education (WICHE) in sortierbaren Tabellen an, mit denen man sich die einzelnen Bundesstaaten einschließlich dem District of Columbia unter Aspekten wie Demografie, Bildungsniveau, Gehälter von Lehrkräften, Einschreibungen an Hochschulen, Vielfalt, Abschlussquoten, Studiengebühren oder staatliche Förderung der Hochschulen anschauen kann.
Bei den demografischen Daten ist vor allem der Anteil der Haushalte interessant, in denen eine andere Sprache als Englisch gesprochen wird, darüber hinaus die erwartete Entwicklung von Oberschulabsolventen über die kommenden zehn Jahre, das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen und schließlich das bereits erreichte Bildungsniveau der Bevölkerung.
Mit fast 44% liegt der Anteil der Immigranten-Haushalte in Kalifornien mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der USA (21,5%) und es folgen auf den Plätzen Texas (35%) und New Mexico (34%). Dann folgen aber nicht Arizona (28%) und Florida (29%), sondern erst einmal New Jersey (32%), New York (30%) und Nevada (30%).
In den kommenden zehn Jahren erwartet North Dakota ein Plus von 39% an Oberschulabsolventen, im District of Columbia werden 27% mehr Oberschulabsolventen erwartet, in Florida 17% mehr und in Idaho 11%. Schaut man allerdings auf die Bevölkerungszahlen (760.000, 700.000 und 1,7 Mio.), dann fällt nur die Entwicklung in Florida mit 21 Mio. Einwohnern wirklich ins Gewicht. Im landesweiten Durchschnitt wird die Zahl der Oberschulabsolventen in den kommenden zehn Jahren um 0,3% sinken und deutlich drastischer werden die Verluste in New Hampshire (-11%), Illinois, Connecticut, Rhode Island und New Mexico (jeweils -12%) sein, überdurchschnittlich auch in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten wie Kalifornien (-6%) und New York (-4%). Texas wird sich dagegen über einen um 8% höheren Pool zur Binnenrekrutierung von Studienanfängern im klassischen Studienalter freuen können, North Carolina immerhin noch über ein Plus von 6%.
Blickt man auf Abweichungen von landesweiten Durchschnittszahlen, könnten einem Zweifel kommen, ob die United States wirklich so „vereinigt“ sind, denn vom durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von $35.000 weichen Einkommen in Mississippi ($25.000), West Virginia und Arkansas (jeweils $27.000) ebenso deutlich nach unten ab wie die Einkommen in Connecticut und Massachusetts (jeweils $46.000) und New Jersey ($44.000) nach oben. Das Pro-Kopf-Einkommen in Washington, DC ($59.000) ist ein statistischer Ausreißer und dem Standort als US-amerikanischer Hauptstadt geschuldet.
Eine deutliche Korrelation besteht in der Regel zwischen Einkommen und Bildungsniveau der Bevölkerung und so ist es nicht erstaunlich, dass bei landesweiten Durchschnittzahlen von 8,6% der Bevölkerung mit zweijährigem Studienabschluss, 20,2% mit vierjährigem Abschluss, 9,1% mit Master’s Degree, 2,2% mit Promotion und 1,5% mit einem Professional Degree in Mississippi die Zahlen nach unten abweichen (10,2%, 13,8%, 6,4%, 1,5% und 1%), aber eben nicht durchgängig, denn der Anteil mit zweijährigem Studienabschluss ist bei 10,2% überdurchschnittlich. Erwartbar sind allerdings die Zahlen für West Virginia (7,6%, 12,7%, 6,3%, 1,3%, und 1%) und Arkansas (7,5%, 15,2%, 6,3%, 1,4%, und 0,9%). Schauen wir auf Connecticut (7,8%, 22,2%, 13%, 3,1%, und 1,7%) und Massachusetts (7,7%, 22,5%, 14%, 3,1%, und 2,9%), dann werden auch nördliche Abweichungen vom Durchschnitt plausibel.
Eine ähnlich deutliche Spreizung sehen wir auch bei den Jahresgehältern von Lehrenden an Hochschulen. Schauen wir auf öffentlich finanzierte Colleges und Universitäten, dann sehen wir einen landesweiten Durchschnitt von $137.000 für entfristete Professoren an Forschungsuniversitäten, $193.000 für entfristete Professoren in Kalifornien und $92.000 für ihre Kollegen in Montana. Bei privaten Forschungsuniversitäten liegt der landesweite Durchschnitt bei $170.000, die geringsten Einkommen erzielen entfristete Professoren in West Virginia ($64.000), doch am andere Ende der Skala liegt nicht Kalifornien ($175.000) an der Spitze, sondern New Jersey ($225.000), Massachusetts ($202.000) und New Hampshire ($198.000).
Der landesweite Durchschnitt bei den Studiengebühren lag zuletzt bei knapp $10.000 für Tuition and Fees pro Jahr an öffentlich finanzierten vierjährigen Hochschulen, an privatfinanzierten Hochschulen bei knapp $37.000. In Wyoming zahlen Studierende an öffentlich finanzierten vierjährigen Hochschulen lediglich knapp $5.000, in Vermont hingegen knapp $18.000, bei den Privaten liegen die obere Kante mit knapp $50.000 in Massachusetts und die untere Kante (Delaware, $16.000) ähnlich weit auseinander wie bei den Öffentlichen (die statistisch wahrscheinlichen Ausreißer Idaho mit $7.300 und Utah mit $7.600 lassen wir außen vor).
Zuletzt hatten sich landesweit die bundesstaatlichen Mittel für ihre Hochschulen um 2% nach oben entwickelt und auch hier sind die Abweichungen vom Mittel bemerkenswert: Kalifornien investierte zuletzt 20,3% mehr in seine Hochschulen, Colorado 14% mehr und Nevada 12,7%. Auf der anderen Seite waren die Rückgänge in Vermont mit 37%, in Wyoming mit 31,9% und in New Hampshire mit 21,7% erheblich.
Unter Graduation Rate wird in den USA der Anteil der Studierenden verstanden, die in 150% der Regelstudienzeit zum Abschluss kommen, also in drei Jahren zu einem Associate’s und in sechs Jahren zu einem Bachelor’s Degree. Das trifft im landesweiten Durchschnitt auf 64,3% aller Studierenden zu, im District of Columbia auf 78,3%, in Massachusetts auf 76,2%, in New Mexico auf 49,5% und in Alaska auf nur 36,4%. Abschlussquoten unter Native Americans liegen im landesweiten Durchschnitt bei 41,8%, in Utah bei 17,1%, in Alaska bei 13,5% und in South Dakota bei 11,1%. Afroamerikaner kommen im landesweiten Durchschnitt auf eine Abschlussquote von 45,2%, in Arizona liegt die Quote bei 25% und in Alaska bei 15,4%.
Bemerkenswert ist schließlich auch die Summe der Mittel, die allein von den Bundesstaaten zur Finanzierung von Hochschulen und Studienbeihilfen ausgegeben werden. Sie lag zuletzt bei $96,6 Mrd., davon $14,8 Mrd. für Studienbeihilfen, was als absolute Zahl groß erscheint, angesichts von zuletzt noch knapp 14 Mio. Studierenden an öffentlich finanzierten vierjährigen und zweijährigen Hochschulen dann wieder nicht.
Sie finden die Tabellen hier.
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