20.02.2023

Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.

Die Themen dieser Woche:

  • US-Hochschullandschaft auf Ebene der Bundesstaaten 
  • Entwicklung der Stiftungsvermögen US-amerikanischer Hochschulen 
  • How to be „Fulbright friendly” 
  • Kurznachrichten

Liebe Leserinnen und Leser, 

 

wir befassen uns dieser Ausgabe mit einem Blick auf die US-Hochschullandschaft aus der Perspektive der Bundesstaaten und mit der Entwicklung der Stiftungsvermögen US-amerikanischer Hochschulen. Wir werfen zudem einen Blick auf die im Chronicle of Higher Education erörterte Frage, wie Hochschulen im kompetitiven Fulbright-Programm erfolgreich sein können, und – wie immer – auf verschiedene Kurzmeldungen.  

 

Die kommende Ausgabe wird aufgrund von Reisetätigkeiten erst wieder am 12. März erscheinen. 

 

Ich wünsche bis dahin eine gute Zeit und eine interessante Lektüre. 

 

Herzliche Grüße, 

 

Stefan Altevogt 

US-Hochschullandschaft auf Ebene der Bundesstaaten 

Die Hochschullandschaft der USA ist in zahlreichen Aspekten erstaunlich inhomogen und es ist durchaus nützlich, sich gelegentlich in Erinnerung zu rufen, unter welchen jeweiligen Voraussetzungen in den einzelnen Bundesstaaten Bildung und Hochschulbildung stattfinden. Der Chronicle of Higher Education bietet dazu in seiner regelmäßig im Herbst eines jeden Jahres erscheinenden Almanach-Ausgabe Daten der Western Interstate Commission for Higher Education (WICHE) in sortierbaren Tabellen an, mit denen man sich die einzelnen Bundesstaaten einschließlich dem District of Columbia unter Aspekten wie Demografie, Bildungsniveau, Gehälter von Lehrkräften, Einschreibungen an Hochschulen, Vielfalt, Abschlussquoten, Studiengebühren oder staatliche Förderung der Hochschulen anschauen kann. 

Bei den demografischen Daten ist vor allem der Anteil der Haushalte interessant, in denen eine andere Sprache als Englisch gesprochen wird, darüber hinaus die erwartete Entwicklung von Oberschulabsolventen über die kommenden zehn Jahre, das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen und schließlich das bereits erreichte Bildungsniveau der Bevölkerung.  

Mit fast 44% liegt der Anteil der Immigranten-Haushalte in Kalifornien mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der USA (21,5%) und es folgen auf den Plätzen Texas (35%) und New Mexico (34%). Dann folgen aber nicht Arizona (28%) und Florida (29%), sondern erst einmal New Jersey (32%), New York (30%) und Nevada (30%).  

In den kommenden zehn Jahren erwartet North Dakota ein Plus von 39% an Oberschulabsolventen, im District of Columbia werden 27% mehr Oberschulabsolventen erwartet, in Florida 17% mehr und in Idaho 11%. Schaut man allerdings auf die Bevölkerungszahlen (760.000, 700.000 und 1,7 Mio.), dann fällt nur die Entwicklung in Florida mit 21 Mio. Einwohnern wirklich ins Gewicht. Im landesweiten Durchschnitt wird die Zahl der Oberschulabsolventen in den kommenden zehn Jahren um 0,3% sinken und deutlich drastischer werden die Verluste in New Hampshire (-11%), Illinois, Connecticut, Rhode Island und New Mexico (jeweils -12%) sein, überdurchschnittlich auch in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten wie Kalifornien (-6%) und New York (-4%). Texas wird sich dagegen über einen um 8% höheren Pool zur Binnenrekrutierung von Studienanfängern im klassischen Studienalter freuen können, North Carolina immerhin noch über ein Plus von 6%. 

Blickt man auf Abweichungen von landesweiten Durchschnittszahlen, könnten einem Zweifel kommen, ob die United States wirklich so „vereinigt“ sind, denn vom durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von $35.000 weichen Einkommen in Mississippi ($25.000), West Virginia und Arkansas (jeweils $27.000) ebenso deutlich nach unten ab wie die Einkommen in Connecticut und Massachusetts (jeweils $46.000) und New Jersey ($44.000) nach oben. Das Pro-Kopf-Einkommen in Washington, DC ($59.000) ist ein statistischer Ausreißer und dem Standort als US-amerikanischer Hauptstadt geschuldet.  

Eine deutliche Korrelation besteht in der Regel zwischen Einkommen und Bildungsniveau der Bevölkerung und so ist es nicht erstaunlich, dass bei landesweiten Durchschnittzahlen von 8,6% der Bevölkerung mit zweijährigem Studienabschluss, 20,2% mit vierjährigem Abschluss, 9,1% mit Master’s Degree, 2,2% mit Promotion und 1,5% mit einem Professional Degree in Mississippi die Zahlen nach unten abweichen (10,2%, 13,8%, 6,4%, 1,5% und 1%), aber eben nicht durchgängig, denn der Anteil mit zweijährigem Studienabschluss ist bei 10,2% überdurchschnittlich. Erwartbar sind allerdings die Zahlen für West Virginia (7,6%, 12,7%, 6,3%, 1,3%, und 1%) und Arkansas (7,5%, 15,2%, 6,3%, 1,4%, und 0,9%). Schauen wir auf Connecticut (7,8%, 22,2%, 13%, 3,1%, und 1,7%) und Massachusetts (7,7%, 22,5%, 14%, 3,1%, und 2,9%), dann werden auch nördliche Abweichungen vom Durchschnitt plausibel. 

Eine ähnlich deutliche Spreizung sehen wir auch bei den Jahresgehältern von Lehrenden an Hochschulen. Schauen wir auf öffentlich finanzierte Colleges und Universitäten, dann sehen wir einen landesweiten Durchschnitt von $137.000 für entfristete Professoren an Forschungsuniversitäten, $193.000 für entfristete Professoren in Kalifornien und $92.000 für ihre Kollegen in Montana. Bei privaten Forschungsuniversitäten liegt der landesweite Durchschnitt bei $170.000, die geringsten Einkommen erzielen entfristete Professoren in West Virginia ($64.000), doch am andere Ende der Skala liegt nicht Kalifornien ($175.000) an der Spitze, sondern New Jersey ($225.000), Massachusetts ($202.000) und New Hampshire ($198.000). 

Der landesweite Durchschnitt bei den Studiengebühren lag zuletzt bei knapp $10.000 für Tuition and Fees pro Jahr an öffentlich finanzierten vierjährigen Hochschulen, an privatfinanzierten Hochschulen bei knapp $37.000. In Wyoming zahlen Studierende an öffentlich finanzierten vierjährigen Hochschulen lediglich knapp $5.000, in Vermont hingegen knapp $18.000, bei den Privaten liegen die obere Kante mit knapp $50.000 in Massachusetts und die untere Kante (Delaware, $16.000) ähnlich weit auseinander wie bei den Öffentlichen (die statistisch wahrscheinlichen Ausreißer Idaho mit $7.300 und Utah mit $7.600 lassen wir außen vor).  

Zuletzt hatten sich landesweit die bundesstaatlichen Mittel für ihre Hochschulen um 2% nach oben entwickelt und auch hier sind die Abweichungen vom Mittel bemerkenswert: Kalifornien investierte zuletzt 20,3% mehr in seine Hochschulen, Colorado 14% mehr und Nevada 12,7%. Auf der anderen Seite waren die Rückgänge in Vermont mit 37%, in Wyoming mit 31,9% und in New Hampshire mit 21,7% erheblich.  

Unter Graduation Rate wird in den USA der Anteil der Studierenden verstanden, die in 150% der Regelstudienzeit zum Abschluss kommen, also in drei Jahren zu einem Associate’s und in sechs Jahren zu einem Bachelor’s Degree. Das trifft im landesweiten Durchschnitt auf 64,3% aller Studierenden zu, im District of Columbia auf 78,3%, in Massachusetts auf 76,2%, in New Mexico auf 49,5% und in Alaska auf nur 36,4%. Abschlussquoten unter Native Americans liegen im landesweiten Durchschnitt bei 41,8%, in Utah bei 17,1%, in Alaska bei 13,5% und in South Dakota bei 11,1%. Afroamerikaner kommen im landesweiten Durchschnitt auf eine Abschlussquote von 45,2%, in Arizona liegt die Quote bei 25% und in Alaska bei 15,4%.  

Bemerkenswert ist schließlich auch die Summe der Mittel, die allein von den Bundesstaaten zur Finanzierung von Hochschulen und Studienbeihilfen ausgegeben werden. Sie lag zuletzt bei $96,6 Mrd., davon $14,8 Mrd. für Studienbeihilfen, was als absolute Zahl groß erscheint, angesichts von zuletzt noch knapp 14 Mio. Studierenden an öffentlich finanzierten vierjährigen und zweijährigen Hochschulen dann wieder nicht.  

 

Sie finden die Tabellen hier.

Entwicklung der Stiftungsvermögen US-amerikanischer Hochschulen 

Ein kleineres Segment der US-amerikanischen Hochschullandschaft ist dank zum Teil großer Stiftungsvermögen entsprechend deutlich unterdurchschnittlich auf direkte öffentliche Finanzierung angewiesen – auf indirekte Finanzierung über Studienbeihilfen wollen allerdings auch die wohlhabendsten Hochschulen des Landes nicht verzichten.  

Die National Association of College and University Business Officers (NACUBO) veröffentlicht –gemeinsam mit der Teachers Insurance and Annuity Association of America (TIAA) – regelmäßig einen Überblick, wie es um die Vermögen von zuletzt 678 Colleges und Universitäten im NACUBO-Gesichtskreis bestellt ist, die im neuesten Bericht in Summe auf $807 Mrd. beziffert werden. Drei weitere Zahlen geben preis, dass die Summe alles andere als gleichmäßig verteilt ist, nämlich das Durchschnittsvermögen von $1,2 Mrd., der Vermögensmedian von dagegen nur $203 Mio. und die Konzentration von 84% der Vermögenssumme auf Einrichtungen mit mehr als $1 Mrd. im Endowment.   

Gegenüber dem Vorjahr haben die Hochschulvermögen um 4% ($38 Mrd.) an Wert eingebüßt, obwohl sie $14,5 Mrd. an Spenden eingenommen haben und damit 22% mehr als in 2021. Aus den Vermögen sind in 2022 in Summe knapp $26 Mrd. abgeflossen, die zu 46% zur Finanzierung von Studienbeihilfen ausgegeben wurden, zu 11% für Stiftungsprofessuren, zu 10% für Betrieb und Erhaltung von Gebäuden und Einrichtungen und zu 16% für akademische Programme und Forschung. (Die verbleibenden 17% „all other purposes“ dürfte Neubaumaßnahmen beinhalten.) 

 

Sie finden die Zahlen hier.

 

Der Chronicle of Higher Education vergleicht in einem Beitrag zu den jüngsten Zahlen den abzüglich der Managementgebühren für 2022 auf -8% bezifferten Wert der Hochschulvermögen mit dem Zuwachs des Vorjahres, der bei atemberaubenden 30,6% gelegen habe, und nennt als wesentliche Gründe für die Entwicklung externe Faktoren wie Inflation und den Krieg in der Ukraine. Es heißt zu den Verwendungsprioritäten auch in ertragsschwachen Jahren: „Despite the difficult year, colleges continued to use their endowments to support students and other institutional priorities, said Lynne C. Schaefer, Nacubo’s interim president and chief executive officer.” 

 

Sie finden den Beitrag hier.

 

Ein Beitrag auf Inside Higher Education macht darüber hinaus auf die Unterschiede in den Ertragsentwicklungen in Abhängigkeit von der Größe der Vermögen aufmerksam, darauf also, dass sich in einer Kohorte von 678 Colleges und Hochschulen mit einem Durchschnittvermögen von $203 Mio. Gewinne eher auf die großen Vermögen konzentrieren und die Verluste eher auf die kleinen. Vermögen nördlich von $1 Mrd. hätten 2022 4,5% verloren, Vermögen unterhalb von $25 Mio. dagegen 11%. 

Zu den fünf derzeit größten Hochschulvermögen heißt es: „Once again, in order, the largest endowments belong to Harvard University ($49.4 billion), the University of Texas system ($42.6 billion), Yale University ($41.3 billion), Stanford University ($36.3 billion) and Princeton University ($35.8 billion), according to NACUBO’s figures.” Die nach der University of Texas zweit- und dritt-reichsten öffentlichen Hochschulen fänden sich auf Platz acht (Texas A&M mit $18,2 Mrd.) und neun (University of Michigan mit $17,3 Mrd.). Das University of California System folge auf Platz elf mit zuletzt $15,4 Mrd. 

Am unteren Ende der Liste fänden sich das Oakton Community College ($6,2 Mio.), das Lakeland Community College ($5,7 Mio.) und die Western Governors University ($1 Mio.). 

 

Sie finden diesen Beitrag hier.

How to be „Fulbright friendly”

In der vergangenen Ausgabe meldeten wir die Ergebnisse der jüngsten Fulbright-Ausschreibung in den beiden Programmlinien „Fulbright-Scholars“ und „Fulbright Students“. 

In ihrem Internationalisierungs-Blog „Latitudes“ ging Karin Fischer im Chronicle of Higher Education aus Anlass der Veröffentlichung der jüngsten Zahlen der Frage nach, was Hochschulen zum Erfolg ihrer Studierenden und Lehrenden im Fulbright-Programm beitragen können, also wie sie möglichst „Fulbright friendly” sein könnten. Dazu befragte sie Vertreter der Appalachian State University, der Purdue University und der University of Florida, drei Einrichtungen, die im Fulbright-Programm als besonders erfolgreich gelten.  

An Appalachian State würden auf Grundlage von Erfahrungen erfolgreicher Antragssteller aus den Vorjahren Antragsberatung und Workshops für potenzielle Bewerber angeboten und die Hochschule sorge mit Reisemitteln von jeweils bis zu $1.500 dafür, dass potenzielle „Fulbright-Scholars“ Kontakte zu ihren jeweiligen Gastgebern etablieren bzw. ausbauen könnten. Es heißt: „Applicants can get feedback on early drafts of their application. For those who want it, three former Fulbright recipients act as volunteer reviewers, giving advice to strengthen proposals. More than half of applicants who go through the review process have successfully won awards.”  

An Purdue University habe die Hochschulleitung gegenüber den Fakultäten auf die Bedeutung des Renommees von „Fulbright-Scholars“ und „Fulbright Students“ für die Hochschule insgesamt hingewiesen und diesen Hinweis in der Programmschiene der Scholars auch mit ausreichenden Mitteln hinterlegt, um die zum Teil unterhalb der normalen Einkommen liegenden Fördersätze nicht zu einem Nachteil werden zu lassen. Zu den längerfristigen Erträgen einer „Fulbright-freundlichen“ Hochschulpolitik aus Sicht von Purdue schreibt Fischer: „Fulbrights are often the first step toward larger international partnerships such as study-abroad programs, faculty exchanges, and research collaborations, Lukasik said. And departments that send faculty members on Fulbrights typically see an increase in graduate applications from the host country.” 

Obwohl die University of Florida in der Programmschiene „Fulbright Students“ traditionell schon erfolgreich sei, hätte der Erfolg bei den „scholars“ noch auf sich warten lassen, bis die Hochschule bei der Überwindung organisatorischer Schwierigkeiten, wie etwa die Regelung der Lehrvertretungen, hilfreich eingegriffen habe. Zum Beitrag der Hochschule bei der Überwindung finanzieller Hürden heißt es schließlich: „Covering expenses while abroad could be difficult, especially for those with families. A policy developed by Florida ensures that faculty members receive their full salary while overseas, in addition to the Fulbright award, and that they keep their benefits.” 

 

Sie finden den Beitrag hier.

Kurznachrichten

Inside Higher Education befasst sich in einem Beitrag mit den finanziellen Nachteilen, die einigen Community Colleges entstünden, wenn sie Einschreibungen von Oberschülern parallel zu ihren Zeiten an der Schule erlaubten. Dies sei das Ergebnis eines vom Community College Research Center der Columbia University vorgelegten Papers. Trotz der Möglichkeit, künftige Studierende an die Hochschule zu binden, könnten bei schlechter Ausgestaltung entsprechender Programme die ermäßigten Studiengebühren und zusätzliche Programmausgaben zu einem erheblich negativen finanziellen Ergebnis führen. 

 

Sie finden den Beitrag hier.

 

Der Chronicle of Higher Education meldet Planungen am Liberal Arts College Marymount University (MU), neun geisteswissenschaftliche Hauptfachangebote zu streichen und zitiert die Hochschulpräsidentin mit den Worten: „True to our mission, all university programs will continue to be grounded in the liberal arts and focused on the education of the whole person but MU cannot financially sustain offering majors with consistently low enrollment, low graduation rates, and lack of potential for growth.” 

 

Sie finden die Meldung hier.

 

Inside Higher Education zitiert Ergebnisse einer von Reuters/Ipsos durchgeführten Meinungsumfrage, der zufolge 62% der US-Amerikaner gegen die Berücksichtigung ethnischer Hintergründe bei Studienbewerbungen (Affirmative Action) seien. Es heißt: „The public opinion poll, which surveyed 4,408 adults from Feb. 6 to 13, found that 73 percent of Republicans and 46 percent of Democrats said they are against race-conscious admissions, or affirmative action.” 

 

Sie finden diese Meldung hier

 

Sie finden die Reuters-Meldung hier.

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