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Angesichts in den kommenden Jahren absehbar sinkender Zahlen von Oberschulabsolventen in den USA machen sich dort sehr viele Hochschulen Sorgen darum, wie sie ihre Freshmen-Jahrgänge jeweils füllen können. Weil eine naheliegende Strategie, nämlich so kompetitiv zu sein, dass man sehr viel mehr Studienbewerber als Studienplätze hat, nur in sehr kleinen Bereichen der Hochschullandschaft funktioniert (hier aber umso besser), wird man andernorts gezwungen sein, mit anderen Strategien relevant zu bleiben.
Ein Beitrag beschreibt im Chronicle of Higher Education die wachsende Kluft zwischen den selektiven „Haves“ und den weniger selektiven „Have-Nots” und schildert, dass neben der demografischen Entwicklung von kleiner werdenden Kohorten im klassischen Studierendenalter auch die Studienneigung nachgelassen habe. Zwischen 2018 und 2021 sei der Anteil der Oberschulabsolventen, die sich an einer Hochschule einschrieben, von 69% auf 62% gesunken, wobei der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der Studienneigung ganze 15 Prozentpunkte betrage (70% gegenüber 55%).
In der kleinen Nische hochselektiver, zumeist privat finanzierter Colleges brauche man sich derzeit keine Sorgen zu machen, genauso wenig wie an den quantitativ relevanteren Flaggschiffen öffentlich finanzierter Hochschulsysteme, die studienwilliges Talent aus den jeweiligen Bundesstaaten aufsaugten und darüber hinaus auch national und international attraktiv seien (wenngleich zu deutlich höheren out-of-state tuitions).
Der mit rund 40% aller Studierenden in den USA bedeutsame Teil der vor allem lokal und nur gelegentlich regional relevanten Community Colleges brauche dagegen eine andere Strategie, um relevant zu bleiben, und hier spiele die lokale Anbindung und die Fähigkeit, auf Bedarfe des lokalen Arbeitsmarkts reagieren zu können, eine herausragende Rolle. Es heißt: „If colleges are willing to invest time and energy into enhancing relationships with their local communities, then more people may see the value proposition of attending college.”
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Eines der hartnäckigeren Probleme dieser Community Colleges ist die vergleichsweise geringe Quote von erfolgreichen Studierenden, zu der es in einem Beitrag auf Higher Ed Dive heißt: „Among community college students who first enrolled in 2016, 43.1% graduated within six years, according to the National Student Clearinghouse Research Center. That’s compared to 68% of students at public four-year institutions and the national average of 62.3% for all types of colleges.”
Hier deutlich erfolgreicher zu sein, sei eine andere Strategie, relevant zu bleiben, und der Beitrag verweist auf entsprechende Erfolge an den Community Colleges des Systems der City University of New York (CUNY), die man nun in Ohio wiederholen wolle. Es heißt: „Three of Ohio’s community colleges worked with their state’s higher education department, the research firm MDRC and CUNY to customize and implement a version of the system’s Accelerated Study in Associate Programs, or ASAP, which focuses on comprehensive advising and financial support.”
Das seit 16 Jahren bestehende CUNY ASAP habe die Erfolgsquote der Studierenden (Abschluss innerhalb von 150% der Regelstudienzeit) verdoppeln können. Das vor sechs Jahren in Ohio nach dem Vorbild von ASAP gestartete Pilotprojekt zeige eine ähnliche Tendenz: 43,7% der Community-College-Studierenden im Ohio ASAP hätten einen Abschluss erzielt, verglichen mit 28,6% der Studierenden außerhalb des Programms. Etwas erfolgreicher seien Teilnehmende an ASAP auch hinsichtlich der Einkommen, wenngleich die im Text genannten Zahlen der Jahreseinkommen einen Hochschulbesuch nicht wirklich lohnend erscheinen lassen. Es heißt: „Just over 70% of both student groups were employed six years after they first enrolled. But ASAP students who reported income that year earned 11% more than similar students who were not in the program, $27,715 compared to $24,955.”
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Als ein Beispiel für Erfolg in einer Nische beschreibt ein Beitrag auf Inside Higher Education das zur CUNY gehörende Lehman College in der Bronx, das einem allgemeinen Trend weg von den Humanities trotze. Es heißt: „Instead of a decline, Lehman College’s enrollment in School of Arts and Humanities majors has increased over the last 10 years, from 918 in fall 2011 to 1,239 in fall 2021 (the peak was in fall 2020, with 1,316 arts and humanities majors).”
Das College werde vor allem von Hispanics aus bildungsferneren Elternhäusern besucht, eine Gruppe, die eigentlich keine besonders starke Neigung zu Geisteswissenschaften hätte. Dank eines von der Teagle Foundation und dem National Endowment for the Humanities finanzierten Programms sei dies aber am Lehman College deutlich anders. Es heißt: „Students focus on discussing great texts from all over the world and from their cultural heritage to tackle big questions. In art and English classes, they embrace traditional forms as well as new technologies and learn to work with gaming as well as with social media. A class in Latin American studies takes place in a different museum or theater each week.”
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