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In den USA wird Hochschulbildung zu deutlich größeren Teilen als zum Beispiel in Deutschland als private Investition und nicht als öffentlich zu finanzierende Aufgabe angesehen. Diese privaten Investitionen (hier vor allem Studiengebühren, Lebenshaltungskosten während des Studiums und ein zeitlich verkürztes Einkommensintegral) sind entsprechend höher und daher wird die Frage nach einem „Return on Investment“ (ROI) eines Studiums auch von Menschen gestellt, die nicht in BWL eingeschrieben sind. Politisch ist die Debatte in den USA mittlerweile dadurch aufgeladen, dass auf der einen Seite vor allem Republikaner kritisieren, Hochschulen würden zu teuer und an den Bedarfen des Arbeitsmarkts vorbei ausbilden, während Demokraten derzeit bei denen im Wort stehen, die Entlastung von ihren Studienschulden fordern, für die also der Hochschulbesuch nicht so ertragreich gewesen ist, wie er statistisch hätte sein sollen.
Dass trotz hoher Studienkosten in den USA der ROI von Hochschulbildung beachtlich ist, wird prominent immer wieder durch das Center on Education and the Workforce (CEW) der Georgetown University dargestellt. Dort findet sich ein interaktives Tool, mit dem sich für 4.500 Colleges in den USA der ROI (Stand 2022) ausrechnen lässt. Es heißt zum eher uneinheitlichen Gesamtbild: „An average of 60 percent of college students across institutions earn more than a high school graduate after 6 years. However, at 1,233 postsecondary institutions (30 percent), more than half of their students 6 years after enrollment are earning less than a high school graduate. Our previous research indicates that these low earnings may relate to low graduation rates and disparities in earnings by gender and race and ethnicity.”
Das CEW bietet daneben auch Ansichten in feinerer Auflösung, etwa „ROI of Liberal Arts Colleges“ oder „The Colleges Where Low-Income Students Get the Highest ROI” und „Buyers Beware: First-Year Earnings and Debt for 37,000 College Majors at 4,400 Institutions”.
Sie finden die CEW-Tools hier.
Wem die Perspektive des CEW zu voreingenommen zugunsten von Hochschulen erscheint, wird zur Frage des ROI von Hochschulbildung auch bei der Federal Reserve Bank of St. Louis fündig. Sie ist eine der 12 regionalen Notenbanken der USA, die zusammen mit dem Board of Governors in Washington, DC die „Fed“ bilden, also die Zentralbank der USA. Zu den Aufgaben der Federal Reserve Bank of St. Louis gehören unter anderem die Erfassung und Aufbereitung ökonomischer Daten und „economic education“. Als ökonomisch bildend hat sie zuletzt vor knapp einem Jahr ein Paper mit dem Titel „The Return on Investing in a College Education“ veröffentlicht, dessen Kernaussage lautet:
- „The costs and benefits of a college education – tuition and higher earnings, respectively – can be thought of as if they were the price and payoff of a financial asset.
- Tuition costs have risen sharply and outpaced inflation in recent decades. However, the difference in earnings between workers with and workers without college also grew.
- Estimates of the returns on investing in a college education appear to be significant. In 2020, they ranged from 13.5% to 35.9% across six demographic groups.”
Sie finden „The Return on Investing in a College Education“ hier.
Ein Beitrag wirft auf Inside Higher Education einen Blick auf den ROI eines Studiums an Hochschulen in ländlichen Umgebungen und stützt sich dabei auf Ergebnisse einer jüngst von Forschenden des Boston College vorgelegten Untersuchung. Die These hier: Ländliche Hochschulen und Universitäten seien in der Regel erschwinglicher, leichter zugänglich und hätten kürzere Studienzeiten als ihre Pendants in Städten bzw. Suburbs. Obwohl die Abschlussquoten und Einkommensergebnisse an ländlichen Hochschulen leicht hinter denen der nicht-ländlichen Einrichtungen zurückblieben, seien die Unterschiede so minimal, dass ein Fortziehen aus dem ländlichen Raum mit dem Ziel, einen besseren ROI für den Hochschulbesuch zu erzielen, nicht ein durchgängig guter Rat sei.
Das Paper sei Teil einer neuen Forschungsreihe des Institute for Higher Education Policy (IHEP) mit dem Titel „Elevating Equitable Value“. Die Reihe umfasse Beiträge zu einer Vielzahl von Themen, die sich auf den „Equitable Value Explorer“ des IHEP stützen, ein Datentool, mit dem sich die Verdienstmöglichkeiten nach dem Studium für verschiedene Studentengruppen und Institutionen vergleichen ließen.
Im Kern lasse sich Folgendes sagen: Hochschulen im ländlichen Raum seien mit Zulassungsquoten von 76% gegenüber 72% an nicht ländlichen Einrichtungen weniger selektiv, die Studierenden brauchten im Durchschnitt etwas weniger Zeit für ihren Abschluss und der ROI sei durchaus vergleichbar mit Hochschulen in Städten und Vorstädten. Für die Teilhabe an Hochschulbildung für bislang dort unterrepräsentierte Schichten hätten Hochschulen im ländlichen Raum demnach eine noch weithin übersehene Bedeutung. Es heißt: „Too often people believe ‘rural is code for white’, said Dreama Gentry, the CEO of Partners for Rural Impact, a nonprofit organization focused on improving academic and career outcomes for rural students. ‘Rural America is diverse, becoming more diverse … Rural students include students of color across the country’.”
Sie finden den Beitrag hier.
Sie finden „Elevating Equitable Value“ hier.
Sie finden „Partners for Rural Impact“ hier.
Methodisch arbeitet das Paper mit der vermutlich wichtigen Unterscheidung von Colleges, die nur in einer ländlichen Region angesiedelt sind, und solchen, die vor allem ihrer ländlichen Umgebung dienen, also „rural serving institutions (RSI)“ sind.
Das Paper macht auch deutlich, dass in der ländlichen Bevölkerung noch deutlich mehr für die Einsicht in den Wert von Hochschulbildung getan werden müsse, denn: „Rural students graduate from high school at a higher rate (80.6%) than the national average (77.8%) (NCES [National Center for Education Statistics], 2015a), but only 29% of rural Americans aged 18-24 are enrolled in postsecondary education (NCES, 2015b). In comparison, 47% of urban students pursue college, despite graduating from high school at a 10% lower rate.”
Sie finden das Paper hier.
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