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Wenngleich die US-amerikanische Hochschullandschaft aufgrund verschiedener Einflussgrößen, zuvorderst wohl die demografische Entwicklung, kurz- und mittelfristig nicht durch „Auslöschung“ bedroht ist, wie es gelegentlich Überschriften in den Fachmedien befürchten lassen, so sieht sich die Landschaft zweifelsohne erheblichen Herausforderungen, aber auch Chancen gegenüber, wie sie vermutlich in den beiden unteren Quadranten von SWOT-Analysen („Strength, Weakness, Opportunities, Threats“) auftauchen würden.
Ein mit „Is This Armageddon?“ überschriebener Beitrag im Chronicle of Higher Education geht auf die „demografische Klippe“ in dem Segment der Bevölkerung (vergleichsweise gut situiert und weiß) ein, die traditionell an den Colleges am Stärksten vertreten gewesen seien. Die sinkenden Geburtenraten nach dem Finanzcrash von 2008 seien maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Chronicle im vergangenen Herbst eine Titelgeschichte mit dem Titel „The Shrinking of Higher Ed“ veröffentlicht habe.
Dieser sich rasch abzeichnende Rückgang der Zahl potenzieller Studierender seien noch durch mehrere anderen Faktoren zu einem „demografisch perfekten Sturm“ verstärkt worden, der seit Beginn der Pandemie die Hochschulen des Landes insgesamt fast 1,4 Millionen Studierende habe verlieren lassen. Zur Illustration der Windstärke enthält der Beitrag ein Schaubild der Studierendenzahlen an der State University of New York (SUNY) in Buffalo, an der sich laut Bildungsministerium zwischen 2011 und 2021 die Studierendenzahlen von 12.200 auf 7.100 beinahe halbiert hätten. Zudem habe eine unter der Trump noch verschärfte einwanderungsfeindliche Politik dazu beigetragen, dass amerikanische Hochschulen für internationale Studierende weniger attraktiv und zugänglich geworden seien, selbst wenn jüngste Mobilitätszahlen Hoffnung auf eine Trendwende machten.
Wenn man sich unter Strategien der Colleges zur Reaktion auf den demografischen Wandel und den möglicherweise anhaltenden relativen Verlust internationaler Attraktivität des Studienstandorts USA umsehe, dann fielen vor allem Einschnitte in den Personaldecken von Hochschulen auf. Es heißt: „Some colleges, however, have already taken the more drastic step of laying off large numbers of staff and faculty. In the summer of 2020, this happened at Canisius College, in Buffalo, one of the two institutions where I teach. In the face of a $20-million budget shortfall resulting from the pandemic and declining enrollment, the college abruptly announced the layoff of 96 employees, including 25 professors. (...) Mass layoffs of faculty have also taken place at the University of Akron, Henderson State University, and Ithaca College.” Weil ein derartiges „Gesundschrumpfen” vor allem zu Lasten der sehr leicht kündbaren Gruppe von Lehrbeauftragten ginge – die Autorin des Beitrags gehört selbst zu dieser Gruppe – kämen die Reaktionsmodi zahlreicher Hochschule für die dann betroffenen Adjuncts einem „Armageddon“ gleich und seien vermutlich auch nicht der richtige Weg für eine Zukunftsfähigkeit der jeweiligen Hochschulen.
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Ein anderer Beitrag befasst sich im Chronicle mit den gegenwärtigen Chancen für das US-amerikanische Hochschulsystem, die vor allem in einer Erschließung „nicht traditioneller“ Gruppen von Studierenden liegen würden. Der Beitrag zitiert eine Studie der Brookings Institution zu Wegen, die Studierfähigkeit in bislang an den Hochschulen noch deutlich unterrepräsentierten Schichten zu erhöhen und damit auch die Rekrutierungsbasis für Hochschulen zu erweitern. Nur wenig überraschend heißt es: „Racial and gender-based disparities in college-going rates disappear when students receive similar levels of academic preparation in high school, according to a new study by the Brookings Institution. The findings highlight a potential path forward for college leaders who are eager for solutions to their enrollment problems.”
Insgesamt schrieben sich zum Beispiel Afroamerikaner in der Regel seltener am College ein als asiatische, weiße und hispanische Oberschüler. Bei einer vergleichbaren akademischen Vorbereitung ändere sich jedoch das Bild und Afroamerikaner schrieben sich häufiger ein als Angehörige anderer ethnischer Gruppen. Wenngleich der jeweilige sozioökonomische Status ebenfalls ein wichtiger Faktor für die Wahrscheinlichkeit eines Hochschulbesuchs sei, so habe er laut Analyse einen deutlich geringeren Einfluss als die akademische Vorbereitung.
Zu den sich aus diesen Einsichten ergebenden zitiert der Beitrag eine der Autorinnen der Studie mit den Worten: „Public discussions about inequality in access to college often center around admissions and cost. While these issues are important, our findings suggest that policy makers should also pay careful attention to disparities in academic preparation earlier in students’ educational careers, which are important determinants of college enrollment.”
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