Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada. | |
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Die Themen dieser Woche:
- Courseware: Unterrichtshilfe und Weg zum gläsernen Studierenden
- Zukunft internationaler Rankings
- Nachrichten aus Kanada
- Kurznachrichten
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Liebe Leserinnen und Leser,
wir befassen uns dieser Ausgabe mit Nutzen und Risiken sog. „Courseware“, also computergestützter Lehrprogramme an Hochschulen, und mit der Zukunft internationaler Rankings. Wir werfen zudem einen Blick auf Hochschulnachrichten aus Kanada und – wie immer – auf verschiedene Kurznachrichten.
Urlaubsbedingt wird die kommende Ausgabe der Nordamerika Nachrichten am 6. August erscheinen. Bis dahin wünsche ich eine interessante Lektüre.
Herzliche Grüße,
Stefan Altevogt
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Courseware: Unterrichtshilfe und Weg zum gläsernen Studierenden | |
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Mit Massive Open Online Courses (MOOCs) hatten in den 2000er Jahren online durchgeführte Vorlesungen schon deutlich länger bekannte Prinzipien von Fernunterricht auf das World Wide Web gehoben und spätestens mit der Covid-Pandemie wurden Vorteile elektronisch durchgeführter Unterrichtsformate über Vorlesungen hinaus deutlich: Skalierbarkeit, Kostenersparnis und erleichterter Zugang, um nur einige zu nennen. In drei Beiträgen widmete sich der Chronicle of Higher Education in der vergangenen Woche nun mit dem Thema „Courseware“ an Hochschulen, also computergestützten Unterrichtsprogrammen.
Der erste Beitrag nennt Zahlen zum „outsourcing“ der Lehre an Computerprogramme und schätzt, dass mehr als 20 Unternehmen Courseware für US-amerikanische Hochschulen anbieten würden, von denen ein einziges mit Namen „McGraw Hill Connect“ in 2023 mehr als 5 Mio. Nutzer gehabt habe. Der Beitrag schildert die Praxis einer solchen Courseware am Beispiel eines Physik-Studierenden an der Oakland University in Michigan und schreibt: „[He] would submit his assignments and exams online for the introductory, asynchronous course, which had at least 100 students. Everything, including his final exam, was auto-graded. It all made for an underwhelming, and often frustrating, learning experience.”
Manche Lehrkräfte seien zwar der Meinung, dass unmittelbares Feedback, Asynchronität des Unterrichts und zusätzliche Übungsmöglichkeiten der Courseware Studierenden beim Lernen helfen könnten. Jedoch drohten auf der anderen Seite Missbrauch oder eine schlechte Ausführung guter Vorsätze, denn Lehrkräfte kauften die Hilfsmittel oft direkt bei Anbietern und würden im Rahmen der akademischen Freiheit dabei nur sehr begrenzt von den Hochschulen kontrolliert. Es heißt: „Many instructors’ introduction to courseware also came during the pandemic, when the products may have been hastily adopted as a survival mechanism, without training or guidance on how to use them to supplement – not supplant – their own teaching.” Dies sei aber gerade das Problem, denn prinzipiell könne eine Courseware auf Autopilot laufen und Arbeiten übernehmen die eigentlich von den Lehrkräften zu leisten erwartet würde.
Sie finden den Beitrag hier.
Der zweite Beitrag befasst sich erstaunlicherweise nicht mit den möglicherweise auch an die Studierenden weiterzugebenden Ersparnisse, die der Einsatz Courseware im Unterricht bedeuten könnte, sondern mit den zusätzlichen Ausgaben, die Studierende für den Erwerb der Programme aufbringen müssten. Hätten in den vergangenen Jahren die Verlage traditioneller Unterrichtsmaterialien unter fallenden Profiten gelitten, seien durch Courseware-Angebote nun neue, lukrative Geschäftsfelder entstanden. Es heißt: „In the past decade, as the print-textbook market has become less profitable, publishers like Pearson, Cengage, and McGraw Hill have increasingly shifted to digital offerings like courseware. That market has ballooned, with those three companies’ flagship courseware tools collectively reaching millions of users annually. Costs vary depending on the subject and publisher arrangement, but in STEM subjects, especially, the price of a courseware product can exceed $200.” Studierende, so der Chronicle, müssten über ihre Studiengebühren hinaus wegen der Courseware nun eine Art Steuer dafür entrichten, ihre Hausaufgaben machen zu dürfen.
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Viele populäre Internetdienste sind scheinbar kostenlos, scheinbar, weil wir in Wirklichkeit mit unseren Daten für sie bezahlen. Weil bei der Verwendung von Courseware sehr viele und oft sehr persönliche Daten anfallen, könnte man meinen, der Wert dieses Datenschatzes sollte wenigstens zum Teil wieder den Datenquellen zugutekommen. Der dritte Chronicle-Beitrag befasst sich allerdings nicht damit, sondern mit den mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen der Courseware-Anbieter beim Datenschutz. Es heißt: „As widespread as courseware has become, safeguards to protect student data privacy are riddled with cracks – a weakness that plagues many educational technologies used in colleges.” Ein wesentlicher Grund hierfür sei der gesetzliche Rahmen, unter denen sich Studierende bei den Anbietern von Kursunterlagen anmeldeten, nämlich der Family Educational Rights and Privacy Act (FERPA), ein jahrzehntealtes Bundesgesetz, das die Verwendung von Studierendendaten durch Dritte regele. Hier werde dargelegt, unter welchen Umständen und wie diese Daten verwendet werden dürften, doch sei der Gesetzestext gleichermaßen kompliziert und vage, also voller Lücken. Hinzu komme die weitgehend ungeregelte Welt des Web-Trackings und es heißt: „All of those cracks, privacy advocates say, leave students vulnerable to having their data used and shared in ways they have no knowledge of, or control over.”
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Zukunft internationaler Rankings | |
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In ihrem Blog „Latitudes“ befasst sich Karin Fischer im Chronicle of Higher Education mit den möglichen Folgen des Rückzugs einiger US-amerikanischer Colleges und Universitäten aus den national vergleichenden Rankings von U.S. News & World Report. Im vergangenen Jahr hätten Dutzende amerikanischer Hochschulen, vor allem medizinische und juristische Fakultäten, angekündigt, nicht mehr mit den Rankings von U.S. News zusammenarbeiten zu wollen. Obgleich sich Ranking-Expertinnen der Fachpresse keine Sorgen machten, dass sich der nationale Boykott nachhaltig negativ auf die Rankings insgesamt auswirken würde, lohne sich ein Blick ins Ausland und die Frage: „Could the American anti-rankings fever become a global contagion?“
Die Antwort sei kompliziert, da in vielen Teilen der Welt Rankings tief verwurzelt seien. Während sie in den USA vor allem als Instrument der Verbraucherinformation, also für die Kenntnisnahme von angehenden Studierenden und ihrer Eltern, betrachtet würden, hätten viele ausländische Regierungen – unter anderem die in Nigeria, Russland und Taiwan – Rankings in die offizielle Hochschulpolitik integriert. Sie verwendeten Qualitätsstandards der Rankings und setzten den Universitäten in ihren Ländern Anreize, in den Ranglisten aufzusteigen. Als Beispiel zitiert sie das unter „Shanghai-Ranking“ bekannte Academic Ranking of World Universities, das ursprünglich von chinesischen Beamten entwickelt worden sei, um die Universitäten des Landes mit Einrichtungen in aller Welt zu vergleichen. Hier habe es allerdings in jüngster Zeit Entwicklungen gegen die Nutzung solcher Ranglisten gegeben. Es heißt: „Some foreign universities have begun to push pause on rankings. Last month, South Korea’s top research universities jointly announced they were boycotting another of the major international rankings, the QS Universities Rankings. A number of the Indian Institutes of Technology, among the country’s most elite universities, have been refusing to participate in a third global ranking, by Times Higher Education, for the last three years.”
Jedoch seien solche Boykotte keine Ablehnung von Rankings per se. In einer E-Mail an den Chronicle hätten die boykottierenden südkoreanischen Universitäten erklärt, sie seien verärgert über eine methodische Änderung in den QS-Rankings, die ihrer Meinung nach Institutionen in nicht englischsprachigen Ländern benachteiligten. (Koreanische Universitäten sowie einige bekannte Einrichtungen in Japan, Taiwan und Hongkong hätten in den letzten QS-Rankings starke Rückgänge hinnehmen müssen, doch QS bestehe darauf, dass diese Rückgänge durch andere Faktoren verursacht worden seien.)
Auch die mittlerweile 23 als Indian Institute of Technology (IIT) bekannten Hochschulen in Indien kritisierten die mangelnde Transparenz der Methodik von Times Higher Education, nicht aber grundsätzlich die Idee von Ranglisten. Die indische Regierung habe in den vergangenen acht Jahren daher ihre eigenen Rankings der Hochschuleinrichtungen des Landes veröffentlicht, zu denen auch die IITs gehörten. Regierungsbeamte erklärten, dass diese Rankings die Prioritäten des Landes wie etwa Vielfalt und die Förderung von Frauen und einkommensschwachen Studierenden besser widerspiegelten. Sogar einige chinesische Universitäten hätten sich aus internationalen Rankings zurückgezogen, um dem Aufruf von Präsident Xi Jinping zu folgen, Weltklasse-Universitäten mit chinesischen Merkmalen zu entwickeln.
Es heißt im Ergebnis: „Igor Chirikov, a senior researcher at the Center for Studies in Higher Education at the University of California at Berkeley, said international rankings may be losing their hold as ‘the global higher-education space become much more fragmented post-Covid.’” Vor vielleicht noch zehn Jahren hätten überall Programme zur Förderung der globalen Wettbewerbsfähigkeit geblüht und entsprechend Bemühungen nationaler Regierungen, die Universitäten der jeweiligen Länder in den internationalen Rankings nach oben zu bringen. Jetzt liege der Schwerpunkt viel stärker auf national vergleichenden Programmen.
Sie finden den Beitrag hier.
Der kanadische Newswire schaut auf jüngste Ergebnisse eines weltweiten Rankings von Quacquerelli Symonds (QS), das Studienstandorte nach ihrer Beliebtheit listet, allerdings unter der folgenden und deutlich einschränkenden Voraussetzung: „QS included cities with a minimum population of 250,000 that are home to at least two universities on the QS World University Ranking.“ Fünf kanadische Städte schafften es in die Gruppe der 160 gelisteten Städte, nämlich Toronto auf Rang 11, Montreal (#13), Vancouver (#18), Ottawa (#57) und Québec City (#111).
Sie finden diesen Beitrag hier.
Sie finden das Ranking hier.
In Deutschland schafften es ebenfalls fünf Städte in das Ranking, nämlich München auf Rang 5, Berlin (#8), Hamburg (#80), Stuttgart (#94) und Hannover (#124).
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Die kanadische „International Education Strategy“ ist ein beachtliches Erfolgsmodell und habe laut offiziellen Informationen in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass 2018 internationale Studierende knapp Can$22 Mrd. zum kanadischen BIP beigetragen hätten und 53.000 internationale Absolventen kanadischer Hochschulprogramme in Kanada geblieben seien und entsprechend den Arbeitsmarkt auf qualitativ höchstem Niveau bereichert hätten.
Sie finden die offizielle Darstellung der International Education Strategy hier.
Paul Basken vermutet allerdings in der Times Higher Education, dass sich die kanadische Regierung Trudeau stillschweigend vom erklärten Ziel verabschiedet habe, die Forschung an kanadischen Universitäten durch auskömmliche Förderung auf Weltniveau und entsprechend als eine Top-Adresse für den international mobilen wissenschaftlichen Nachwuchs zu halten. Er schreibt: „Canada is known as a global leader in higher education, one of the most desired locations among international students. And yet its research impact is a lot less clear, for reasons that continue to confound experts both inside and outside the country.”
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Ein Beitrag auf The Evolllution regt an, dass sich Hochschulen in ihren Marketing-Bemühungen deutlich stärker auf ihre Internetpräsenz konzentrieren sollten, weil der erste Kontakt potenzieller Studierender fast ausschließlich online stattfände. Es heißt: „Digital marketing has evolved immensely over the past few years, and higher ed leaders must keep up. Reaching new audiences is critical to survive the decline of traditional student demographics, which means implementing digital marketing strategies that speak to the modern learner.”
Sie finden diesen Beitrag hier.
McGill University meldet eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Pharmazieunternehmen Moderna zur Entwicklung bestimmter Nanopartikel zum Einsatz in neuartigen Impfstoffen.
Sie finden die Meldung hier.
Das Nova Scotia Community College (NCSS) ist eines von mehreren kanadischen Colleges, die derzeit mit der Sicherheit der eigenen Datensysteme und entsprechend mit den Daten der Studierenden Probleme haben. Es heißt in einer entsprechenden Meldung des NCSS: „While there was no personal health information included in the breach, the breached data could potentially be used for fraudulent purposes, including identity theft. The company is currently not aware of any ongoing exposure or misuse of the breached information.”
Sie finden diese Meldung hier.
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Die New York Times meldet das Ende der sog. „Legacy Admissions” an Wesleyan University und schreibt: „With the Supreme Court’s decision to ban race-conscious admissions, the pressure is on selective colleges to end preferences for children of alumni.”
Sie finden die Meldung hier.
Die New York Times meldet den Rücktritt von Marc Tessier-Lavigne als Präsident der Stanford University, nachdem diesem in einer internen Untersuchung zwar kein direktes wissenschaftliches Fehlverhalten habe nachgewiesen werden können, dessen wissenschaftliche Veröffentlichungen dennoch zum Teil zurückgezogen worden seien. Es heißt: „Marc Tessier-Lavigne was cleared of accusations of scientific fraud and misconduct. But the review said his work had ‘multiple problems’ and ‘fell below customary standards of scientific rigor’.”
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Die New York Times meldet den sofortigen Rücktritt der Präsidentin der Texas A&M University, M. Katherine Banks, wegen des Wirbels, den der Rücktritt von Kathleen McElroy als Direktorin der School of Journalism ausgelöst habe (wir berichteten in der vergangenen Ausgabe). Es heißt zum Kontext: „The debacle over Dr. McElroy’s appointment is the latest clash at the intersection of higher education, diversity and politics.”
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Die New York Times meldet die Entlassung eines prominenten Football-Coachs an Northwestern University und behandelt die Rolle von Universitätszeitungen bei Hochschulpersonalien der jüngeren Vergangenheit. Es heißt: „Two prominent departures at top universities this month have a common link: inquisitive student journalists.”
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Inside Higher Education meldet die Veröffentlichung von Ergebnissen einer durch das Institute for Global Innovation and Growth der North Dakota State University durchgeführten Untersuchung, der zufolge Dreiviertel der Studierenden bei der jeweiligen Hochschulleitung anzeigen würden, wenn sie im Seminarraum oder Hörsaal gemachte Bemerkungen als beleidigend empfänden. Es heißt weiter: „A similar rate of students would also report their peers for making insulting or hurtful remarks.”
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Sie finden die Untersuchung hier.
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