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Die verschiedenen Reaktionen auf die Entscheidung des Supreme Court zum Verbot der Berücksichtigung ethnischer Kriterien bei Zulassungsentscheidungen an Colleges lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Die Entscheidung wird als ein ernstes Hindernis auf dem Weg zur besseren Integration unterrepräsentierter Schichten beklagt, man erörtert, wie man nach der Entscheidung mit anderen Mitteln das Ziel erreichen könnte, das über Affirmativ Action hätte erreicht werden sollen, und man berichtet über Absurditäten der Praxis von Affirmative Action und die vielen Strategien, die Richtlinien auszutricksen bzw. jeweils für sich arbeiten zu lassen.
Letztgenannte Beiträge, wie der von Farhad Manjoo in der New York Times, zeigen vor allem, dass Affirmativ Action über die Jahre zu einem eher schlechten Werkzeug geworden sei, das aller Vielfalt zum Trotz sieben von Bürokraten vorgegebene Kategorien zur Eingruppierung von Studienbewerbern gekannt habe: American Indian oder Alaska Native, Asian, Black oder African American, Native Hawaiian oder Other Pacific Islander, Hispanic oder Latino und White. Ja, man habe auf den Studienbewerbungen auch ausführlicher sein, also angeben dürfen, ob man nun als „Asian“ aus Pakistan, Indien, China, Vietnam oder Japan komme, oder ob man als Latino Kubaner sei oder vielmehr einen ethnischen Hintergrund bei den Mayas habe. Für die Entscheidung einer Zulassung bei ansonsten gleichen Voraussetzungen hätten allerdings nur die groben Kategorien einer Rolle gespielt, wie aus einer im Urteil zitierten Unterhaltung hervorginge. Es heißt: „In an online chat between U.N.C. [University of North Carolina, eine der beiden im Verfahren vor dem Supreme Court beklagten Hochschulen] admissions officers offered as evidence in the case, one official gushed about a student with ‘Perfect 2400 SAT. All 5 on AP [Advanced Placement]. One B in 11th.’ The other officer cut to the important question – the student’s skin color: ‘Brown?’ ‘Heck no. Asian,’ the first officer replied. ‘Of course,’ the other U.N.C. official said. ‘Still impressive’.” Nach den Kategorien der U.N.C. gehörten zur Gruppe der Asiaten auch braune Menschen vom indischen Subkontinent, oder deren Vorfahren vom indischen Subkontinent stammten. Das im Dialog erkennbare geistige Bild der Admissions Officers habe damit aber nicht übereingestimmt.
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Einen Blick nach vorne wagt der Chronicle of Higher Education mit einem Beitrag zur Frage, wie sich die Admission Offices der US-amerikanischen Hochschulen auf die neue Rechtslage einstellen würden. An Hochschulen, deren Hauptziel darin bestehe, die Klassenräume zu füllen und die noch wachsen könnten, würden die Auswirkungen allenfalls am Rande zu spüren sein. Ähnlich würde es sich an öffentlichen Hochschulen in Bundesstaaten verhalten, in denen – wie in Kalifornien oder Florida – Affirmative Action schon seit Längerem nicht mehr praktiziert würde.
An den Hochschulen allerdings, an denen bei der Studienzulassung sehr feine Unterscheidungen zwischen ansonsten hervorragend qualifizierten Bewerbern getroffen werden müssten, würde sich der Prozess wohl grundlegend ändern. Man dürfe dort nicht mehr einen Bewerber aufgrund seiner Hautfarbe oder ethnischen Herkunft bevorzugen, weil – der Supreme Court sehe im Zulassungsverfahren ein Nullsummenspiel – die Bevorzugung eines Bewerbers die Benachteiligung eines Mitbewerbers sei.
Statt Affirmative Action sollten sich die selektivsten Hochschulen mehr auf besondere Rekrutierungsprogramme konzentrieren, auch auf die Gefahr hin, dass Menschen, die sich von solchen Programmen übergangen fühlten, gegen solche Programme klagen könnten. Man solle zudem die Bedeutung standardisierter Testverfahren wie SAT und ACT für die Zulassungsentscheidungen auf die Einsicht hin anpassen, dass Testergebnisse nicht nur akademische, sondern vor allem auch sozioökonomische Aussagekraft hätten.
Schließlich gehöre auch die „legacy admission“ auf den Prüfstand, die Bevorzugung von Kindern von Alumni und Hochschulmitarbeitenden bei der Zulassung. Hierzu heißt es: „What’s worse than saying the children of alumni are naturally more qualified?”
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In ihrem Newsletter Latitudes macht Karin Fischer im Chronicle of Higher Education darauf aufmerksam, dass Affirmative Action in Frankreich bereits seit Längerem verboten sei, während in Länder wie Brasilien, Indien und Südafrika weiterhin Merkmale wie ethnische Zugehörigkeit, Kaste oder sozioökonomischer Hintergrund bei Zulassungsentscheidungen zum Studium berücksichtigen würden. Sie schreibt: „The Supreme Court ruled U.S. colleges can’t use race in admissions. It’s long been banned in France.“
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